Exkursionen

Wendefilme der DEFA
Freitag, 22.06.2012
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"Die Architekten" – Visionäre in der ehemaligen DDR

Wie wichtig es unseren Lehrern ist, dass wir etwas über die Geschichte der DDR erfahren, merken wir jedes Jahr aufs Neue, wenn die Projekttage kurz vor den Sommerferien anstehen. Auch dieses Jahr sollten wir, der Geschichts- und der Deutschleistungskurs der Q2 von Fr. Achtnichts und Frau Naubert, in ein weiteres interessantes und für die DDR äußerst wichtiges Themengebiet eingeführt werden: die Filmindustrie.

Wenn wir heute von der DEFA, der Deutschen Filmaktiengesellschaft hören, denken wir meist an Märchenfilme, aber seltener an Filme, die wirklich in der Zeit der DDR spielen. Doch genau solch ein Film wurde uns am Montag, dem 18.06.12, im Hofgartenkino vorgestellt: "Die Architekten"#.

Dieser 1990 erschienene Film ist einer der wichtigsten Wendefilme der DEFA und ein den Sozialismus in seiner wahren Form darstellendes Zeitdokument. Bevor wir jedoch den Film ansehen konnten, mussten wir uns erst einmal ordentlich darauf vorbereiten. Dabei erhielten wir Unterstützung von Herr Ernst, Frau Rabe und Frau Stiel, die mit uns dieses Projekt, finanziert von der Friedrich-Ebert-Stiftung, durchführten. Um uns mit der Problematik der Lebensumstände durch strenge Richtlinien in der Filmbranche vertraut zu machen, arbeiteten wir vor der Präsentation des Filmes in Gruppen Schwerpunkte zum Thema "Leben in der DDR" aus, wobei wir besonders auf die Architektur und das Leben von 1945-1989 eingingen und Interviews mit Zeitzeugen führten, in denen klar wurde, dass es sowohl positive als auch negative Dinge gab, die das Leben der DDR-Bürger maßgeblich beeinflussten. Die Hauptcharaktere Daniel Brenner und dessen Frau Wanda werden dargestellt von Kurt Naumann und Rita Feldmeier, die von den Drehbuchautoren Thomas Knauf und Peter Kahane mit äußerster Sorgfalt ausgewählt wurden, da dieser Film auf realen Begebenheiten beruht und der Autor selbst mit der von Kurt Naumann dargestellten Figur befreundet war.

Zur Geschichte: Daniel Brenner, 38 Jahre alt und bester Absolvent seines Jahrgangs im Studium Architektur, erhält durch seinen alten Professor den großen Auftrag, für Berlins Neubaugebiet Marzahn ein kulturelles Zentrum zu schaffen. Um etwas Besonderes zu kreieren, sucht sich Brenner ein Team aus alten Freunden zusammen, alles engagierte junge Architekten, die zusammen ein noch nie dagewesenes neues Wohnen ermöglichen wollen, um der eintönigen Gleichheit der Plattenbauten ein Ende zu setzen, die nicht nur den Charakter der Wohngegenden prägt, sondern auch die Charaktere der Menschen stark beeinflusst .

Diese Erfahrung muss auch Daniel machen. So entfernt sich seine Frau Wanda immer mehr von ihm, da sie nicht mehr in dieser Eintönigkeit leben möchte und völlig verzweifelt ist. So kommt es, dass sie ihn betrügt und schließlich mit ihrer gemeinsamen Tochter Johanna in die Schweiz geht und sich von Daniel scheiden lässt. Gleichzeitig zum privaten Desaster platzen auch Daniels berufliche Utopien, denn nicht nur die Leitung wendet sich von dem Projekt ab, auch die erst so begeisterten Architekten geben nach und nach auf. Schließlich ist nur noch Daniel übrig, der es am Ende des Films eher durch Zufall schafft, den Grundstein für sein Projekt zu legen, ansonsten aber völlig am Ende ist und schließlich einsam vor einer Tribüne im Dreck liegen bleibt, zu erschöpft, um noch für Irgendetwas zu kämpfen. Der staatliche Bürokratismus siegt also erneut.

Nachdem wir uns den Film angesehen hatten, stand noch eine Diskussionsrunde an, zu der der Drehbuchautor vom Film kommen sollte, jedoch leider verhindert war. Allerdings war auch Hr. Baske anwesend, der uns dann schließlich Anekdoten aus seiner Zeit als Lehrer in der DDR erzählte und uns damit klar machte, dass es zum Teil schwierig war, in solchen Zeiten etwas ohne Genehmigung zu veranstalten und dass so etwas manchmal schwerwiegende Folgen haben konnte. Als um 13:45 dann der Schultag zu Ende war, gingen wir alle mit neuem Wissen über das Leben in der DDR und dem Gefühl, dass DEFA-Filme vielleicht doch interessanter sind, als wir zuerst dachten, nach Hause.

Maria Lubkoll (11DE2)



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