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Antonia Kühne
- Eine Reise in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte mit Halina Birenbaum -
Sonntag, 02.11.2014
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„Ich war nicht mehr Halina. Ich war nur noch eine Nummer:  48639.“
 

Fast neunzig Minuten war die Aula des Fläming-Gymnasiums, sowohl durch Stille als auch durch entsetzte und erstaunte Blicke seitens der Schüler der Jahrgangsstufe 11 geprägt, was bei so einer Menge von Schülern eher selten der Fall ist, jedoch wollte jeder der Geschichte von Frau Halina Birenbaum aufmerksam folgen.#

Frau Birenbaum wurde 1929 in Warschau geboren und erfuhr ab ihrem 10. Lebensjahr keine behütete Kindheit mehr, da sie im Ghetto Warschau und den Konzentrationslagern Majdanek, Ausschwitz und Ravensbrück aufwuchs. 1945 wurde sie in Neustadt-Glewe von der roten Armee befreit und wanderte anschließend nach Israel aus, wo sie auch heute noch lebt. Bis auf sie selbst und ihren Bruder wurde ihre gesamte Familie von den Nationalsozialisten ermordet. Heute erzählt Frau Birenbaum an vielen Schulen ihre Lebensgeschichte und so kam sie auch zu uns.

Am Mittwoch, den 8. Oktober 2014 hatten wir die Möglichkeit einen grausamen Abschnitt der Deutschen Geschichte mit einer Überlebenden des Holocaust zu rekapitulieren. In Begleitung ihrer israelischen Enkelin und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins Institut Neue Impulse e.V. teilte sie mit uns dieses brutale Kapitel ihres Lebens.
Sie erzählte wie alles in den engen, stickigen Zügen begann, in denen Menschen wie Güter übereinander gestapelt wurden und man kaum Luft bekam. Frau Birenbaum kämpfte darum einen Platz an der Tür zu erlangen um wenigstens einen Luftzug zu erhaschen.
Während ihrer Kindheit im Ghetto träumte sie von einer warmen Stube und einem Stück Schokolade, was für uns heute so selbstverständlich ist. Doch der Wunsch zu fliehen als auch der zu überleben blieben allerdings immer dominierend. In den Vernichtungslagern Majdanek, wo sie die Nummer 48639 tätowiert bekam, die sie uns auch zeigte, Ausschwitz und Ravensbrück kämpfte sie jeden Tag aufs neue ums Überleben, doch aufgeben wollte sie nie. Sie berichtete von Todesmärschen in tiefstem Schnee fast ohne Bekleidung und Nahrung und stellte deutlich heraus, dass es viel Glück und der Hilfe anderer Gefangener bedurfte, dass sie heute hier sitzen kann.


Anschließend hatten wir die Chance vorher im Geschichtsunterricht erarbeitete Fragen sowohl an Frau Birenbaum, als auch an ihre Enkelin zu stellen, die in ihren Erzählungen bis dorthin noch nicht beantwortet wurden. Zum Beispiel wie sie den Schritt geschafft hat über Ihre Erlebnisse zu sprechen oder wie es Ihr gelang anschließend ein „normales“ Leben zu führen. Als die Schulklingel das Gespräch beendete verließen die meisten Schüler immer noch ziemlich betroffen und gedankenverloren die Aula. Doch angesichts antisemitistischer Gedanken auch unter Jugendlichen, war es eine gelungene Veranstaltung, die deutlich herausstellte, was Taten, die aus solchen Gedanken resultieren, anrichten können.

Durch das engagierte Auftreten von Zeitzeugen, wie Frau Birenbaum, gelingt es hoffentlich für die Zukunft in Deutschland ein gesellschaftliches Klima zu etablieren, welches eine, auch nur ansatzweise, aufkommende Wiederholung solch schrecklicher Ereignisse für immer unmöglich machen soll!

An dieser Stelle dafür ganz herzlichen Dank an Frau Birenbaum, ihre Enkelin und alle Beteiligten dieses Nachmittages sowie an Frau Wedner, Frau Söchting und Herr Landeck, die dieses Zeitzeugengespräch in Zusammenarbeit mit dem Verein Institut Neue Impulse e.V. ermöglichten.

 

Antonia Kühne

(Kurs auf grundlegendem Anforderungsniveau, Geschichte, 11 ge2)



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